Zusammenfassung (zugleich Auflistung der wichtigsten 130 Stichwörter)

In dieser Abhandlung geht es um das Ganze des Seins, das zentrale Thema der Metaphysik im Rahmen der Philosophie. Ist dieses Ganze zugleich als Eines zu verstehen, erkennbar nur auf eine Weise und nur als eine Wahrheit, die nur einen Glauben begründet? Gegenüber solchen Monismen soll unsere Leitlinie sein, eine Pluralität von Seinsbereichen mit je spezifischen methodischen Zugängen zu erschließen.

Ausgangspunkt unserer Monismuskritik ist zunächst der all-einzige Monotheos selber. Er weckt Kritik schon durch seine Intoleranz gegenüber anderen Göttern, ins Extrem getrieben im ersten Gebot des Dekalog. Mit den Ansprüchen der Monotheismen auf je alleinige Geltung hängt zusammen, dass es seit Echnaton und seinem Gott Aton, seit Mose und dem Jahwe der Thora, seit Jesus und seinem Gottvater der Evangelien, seit Mohammed und dem Allah des Koran immer wieder Versuche der Missionierung und Zwangsbekehrung der „Ungläubigen“ gab. Es kam aber auch zu Abspaltungen vom wahren Glauben, zu fundamentalistischer Rückkehr zum wirklich wahren Glauben, zu Sektenbildungen und Sektenverfolgungen und zu mörderischen Religionskriegen sogar zwischen christlichen Konfessionen. Das Endergebnis solcher Auseinandersetzungen war entweder die Vertreibung oder Vernichtung der verstockten Ungläubigen oder ihre Vereinnahmung durch die sich schließlich durchsetzende Glaubensvariante. All dies geschah im Auftrag und zur Verherrlichung ein und desselben Monotheos. Und es ist schon seltsam, dass sich der Hass in Pogromen und Massenmorden besonders gegen das Judentum richtete, von dessen Glauben sich das Christentum und der Islam als im Grunde jüdische Sekten ableiten lassen

Die persönliche Auseinandersetzung mit dem jeweils familiär überlieferten Glauben an diesen Gott schwankte zwischen der Totalverwerfung Gottes im Atheismus und differenzierteren Loslösungs- oder Relativierungsversuchen etwa des Agnostizismus. Sie liefen aber oftmals wieder in Gottesrettungsversuche aus, in denen der Monotheos etwa durch ein „höchstes Prinzip“ ersetzt wurde, das vielleicht doch irgendein Weiterleben nach dem Tode oder irgendeine Erlösung garantieren konnte. In der Philosophie richtet sich die Kritik am Monotheismus auch dagegen, dass allein dieser Gott der zugleich in allem Größte ist, also gegen seine Monomegalie. Schon Epikur argumentierte, dass sie sich in Paradoxien selbst ad absurdum führe, weil ein einziger Gott, der beispielsweise zugleich allwissend, allmächtig und allbarmherzig ist, das tatsächlich unermessliche Leiden so vieler Menschen hätte verhindern können, was er aber offensichtlich nicht getan hat. Jeder Versuch der Rechtfertigung Gottes gegen diesen Vorwurf, angefangen mit der Theodizee von G. W. Leibniz, ist bislang misslungen, kann gar nicht gelingen. Die theologischen All-Zuschreibungen an Gott lassen die philosophisch-mathematische Problematik der Unendlichkeit aufkommen. Zu ihrer Klärung schlage ich vor, eine Allendlichkeit von Mengen zu unterscheiden von einer Unendbarkeit von Folgen.

Solche Extremalisierungen haben psychologische Wurzeln in infantilen, psychopathologischen und schließlich politisch umgesetzten Größenphantasien, in Ansprüchen eines Usurpators auf Erringung und dann auch Erhaltung von Alleinherrschaft. Von einer derart absoluten Autorität werden Forderungen auf uneingeschränkten Gehorsam der Vasallen und unerschütterlichen Glauben der Anhänger abgeleitet. Diese Forderungen wiederum werden demagogisch vermittelt mit Drohungen und Verheißungen. Eine extreme Verheißung ist das Versprechen der Auserwähltheit eines Volkes, von einem Fremdherrscher oder von Gott selbst ausgesprochen. Sie knüpft an die alte Praxis an, dass der Mächtige oder Besitzende selber schon einen Nachfolger auszuwählen versuchte oder damit rechnen konnte, dass in der Konkurrenz der Brüder um das väterliche Erbe einer von diesen die eigene Auserwähltheit in Anspruch nehmen wird. Die Bevorzugung oder der Erfolg des einen ist dann aber mit der Abwertung aller Anderen verbunden. Bei noch unentschiedener Konkurrenz werden aus den Anderen Feinde, und deren Wohnstätten und Ländereien könnten sogar den Auserwählten als Gelobtes Land versprochen werden, genauer: als Kriegsbeute, und zwar unter der Bedingung, dass die Vorbewohner zuvor in einem Massenmord zu vernichten waren. Dagegen pflegten die siegreichen Auserwählten eine alte Viehzüchter-Ideologie in ein Vermehrungsgebot für die eigene Glaubensgemeinschaft umzusetzen, bis zum strengen Verbot von Empfängnisverhütung und Abtreibung.

Solche Glaubensorientierungen sind in nur oberflächlicher Säkularisierung in die Rassen-Ideologie der Nazis eingegangen. Hitler sah sich selber als Erlöser der von der Vorsehung auserwählten Arier und versuchte in einem Holocaust die zu Semiten umdefinierten Juden ein für alle Mal als Konkurrenten um die Weltherrschaft auszuschalten. Seinen im Grunde altchristlichen Antisemitismus (genauer: Judenhass) versuchte er zwar biologistisch zu rechtfertigen, tatsächlich hat aber der Rassismus der Nazis nichts mit den biologischen Begriffen von Rasse und Art zu tun. Auch der inzwischen als Schmähwort missbrauchte Begriff der Selektion meint ursprünglich nicht die Auswahl der zur Ermordung bestimmten Anderen, sondern biologisch das bloße Längerleben und vor allem Sichvermehren der besser an ihre je spezifische Umwelt Angepassten. Schließlich ist die Verurteilung der Mischehe schon seit dem alttestamentlichen Gesetzgeber Esra religiös begründet worden, nämlich zur Reinhaltung des Glaubens, während in der Biologie die Mischung der genetisch Ungleichen (auch der Rassen) ganz positiv die Rekombination der Erbanlagen und damit die genetische Weiterentwicklung fördert und damit neben der Mutation und Selektion einer der Hauptfaktoren der Evolution ist.

Ein Nebeneffekt von Übermacht oder gar Allmacht ist die Tendenz, alle Kritik der Untergebenen und schon ihr Bestehen auf Selbstbestimmung schließlich als Verschwörung dunkler teuflischer Mächte zu diffamieren und zu bekämpfen. In individueller Psychopathologie ist die paranoide Schizophrenie oft mit einem Verfolgungswahn verbunden, was zu einer Selbstabschließung in realitätsferne Eigenwelten führt. Die Neigung zum Ernstnehmen unerreichbarer Ideale verschärft schließlich die schon prämorbid aufgebaute Fehlorientierung dieser seelisch Kranken. In diesen und anderen Problemfällen schalten sich gern ungebetene Helfer ein, welche die Notlage der Hilfsbedürftigen zum eigenen Profit ausnutzen. In der Korruption geschieht eine gegenseitige Ausnutzung oft auf Kosten Dritter. Im Mobbing wird der eigene Vorteil durch das Schlechtmachen eines Anderen befördert.

Aus solcher und anderer Kritik versuche ich einige positive Konsequenzen abzuleiten. Eine erste ist die Rückbesinnung darauf, dass Menschen, schon über lange Zeiten vor dem erst wenige tausend Jahre währenden Zwischenspiel des Monotheismus, eine Vielzahl von Göttern verehrten. Die Polytheismen und deren in den frühen Hochkulturen entwickelte Übersetzbarkeit verstärkten allmählich die Toleranz für Andersheiten, eben auch die von anderen Religionen und Göttern. Schon mit Epikur gab es erste Ansätze zu dem, was mit der Renaissance und später als Aufklärung weltanschaulich wirksam wurde. Damit ging im Humanismus einher, den Menschen in den Mittelpunkt des philosophischen Denkens zu rücken. Neben den Menschenrechten sind auch Menschenpflichten, aber nun nicht mehr gegenüber Obrigkeiten, sondern in Solidarität mit schutzbedürftigen Mitmenschen, zu beachten. Die Götterpflichten sind dagegen noch nie einklagbar gewesen. Ansonsten hat die Selbstorientierung Vorrang gegenüber aufgedrängten Fremdorientierungen, und die gegenseitige Kontrolle auf der Basis der Gewaltenteilung hat viele Vorzüge gegenüber der autoritativen Steuerung von oben. Viele strenge Verbote konnten inzwischen durch menschenfreundliche Erlaubnisse ersetzt werden.

Statt des blinden Gehorsams gegenüber den von der obersten Spitze bestimmten Hierarchien entwickeln wir heute einen wacheren Sinn für die Relationalität des Seins und für die praktische Umsetzung multilateraler Beziehungen. Die Vielheit der verschiedenen Aspekte des Seins lässt uns dessen Pluralität als Positivum erkennen. Nicht der Vorrang des Einen gegenüber allem Anderen, sondern das Miteinander überschaubarer Vielheiten wie ursprünglich die Familie, die arbeitsteilig zusammenwirkenden Fachleute oder in moderner Fassung das Team dienen uns als Modelle auch für andere Mannigfaltigkeiten. Auf ihrer Grundlage können stimmige und realistische Orientierungen und sogar individuelle Handlungsanweisungen entwickelt und vermittelt werden, damit wir Menschen uns in unserer so komplexen, aber global immer kleiner und enger werdenden Welt zurechtfinden und friedlicher miteinander auskommen können.

(Der Teil 3: „Perspektiven einer Korpuskulartheorie der Gravitation“ fällt aus dem hier wiedergegebenen Argumentationszusammenhang etwas heraus. Deshalb habe ich aus dem Text dieser Abhandlung eine gesonderte Sammlung von Stichwörtern extrahiert und aus dieser eine Zusammenfassung meiner Gravitationstheorie formuliert. Andere spezifischere Stichwörter, die sich eher auf die Inhalte von einzelnen Dateien beziehen, werden in die Stichwortsammlung von Google aufgenommen)