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Der Monotheismus hat verschiedene Wurzeln. Bei seiner Genese ist als erstes an Effekte der unter Hirtennomaden verbreiteten patriarchalischen Nachfolgeregelungen zu denken. Es geht dabei um den Anspruch des ältesten bzw. des einzigen oder des in manchen Fällen schließlich allein überlebenden Sohnes auf die Nachfolge des Vaters, auf den Besitz seiner Herden und im größeren Maßstab auf politische Alleinherrschaft. Man könnte seinem Streben eine "Erste Forderung" unterlegen: "Ich bin der Nachfolger, ich allein, und es soll keine anderen Nachfolger neben mir geben!" Diese "Erste Forderung" klingt nicht zufällig sehr ähnlich wie das Erste Gebot des Dekalog: "Ich bin der Herr, dein Gott, und du sollst keine andern Götter neben mir haben!", und beide könnten zu der Kurzformel zusammengefasst werden: "Ich allein herrsche über alle und über alles!", oder von unten gesehen: "Er allein herrscht über uns alle!" (später hieß das: "über die ganze Welt!"). Aus solcher Nachfolgeregelung ergab sich ganz zwangsläufig immer wieder eine Konkurrenz und in vielen Fällen ein mörderischer Kampf der Brüder um das väterliche Erbe, ein Thema, das sich durch das ganze Alte Testament zieht, in den vier Büchern Mose sogar ganz beherrschend ist: angefangen mit dem Brudermord des Kain an Abel, fortgesetzt mit Jakob, der mit arglistiger Täuschung seinen Bruder Esau um das Erstgeburtsrecht betrog, unter Ausnutzung der Blindheit ihres alten Vaters Isaak, fortgesetzt mit der Verstoßung des Joseph durch seine Brüder, wiederholt in den Machtkämpfen, die Stefan Heim in seiner Geschichte "Der König-David-Bericht" so anschaulich geschildert hatte: 4 - 5 Thronprätendenten mussten erst "verschwinden", bis dann der übrig gebliebene (also wie üblich ein Mörder oder Mordanstifter) die Nachfolge antreten konnte. Ein seltsames "survival of the fittest"! Denn so hatte Darwin das gar nicht gesehen, er meinte vielmehr die höhere Vermehrungs- und Überlebensrate einer Subpopulation, nicht den kalkulierten Mord am nahverwandten Nebenbuhler um das väterliche Erbe!
Es müssen aber gar nicht die primär Erbberechtigten sein, die in dieser Weise um die Macht kämpfen. Ähnlich ist auch der Anspruch eines Usurpators, der die Macht zu ergreifen versucht. Eine solche "Machtergreifung" kann von internen oder von externen Usurpatoren ausgehen. Die erste Art von interner Machtergreifung habe ich schon an Beispielen verdeutlicht, hier will ich sie nur des Vergleiches wegen kurz zusammenfassen: da versucht der jüngere Bruder, der weniger Berechtigte, oder der entferntere Verwandte, die legale Herrschaft des eigentlich Berechtigten, des legal herrschenden Machthabers oder des dafür legal vorgesehenen Erben an sich zu reißen. Es ist ein Machtergreifung quasi von der Seite, im Unterschied zur Machtergreifung von unten, zum Putsch der Obristen, der Jungtürken, der Möchtegern-Herrscher. Aber beide verhalten sich nach der Devise: "Nicht Du, sondern ich bin der rechtmäßige Nachfolger und künftige Alleinherrscher!"
Eine andere Art der internen Usurpation, eine Machtergreifung von oben, geht vom rechtmäßigen Herrscher selber aus: der will sich dann nicht mehr auf die ihm überkommenen Herrschaftsfunktionen beschränken, sondern nimmt darüber hinaus noch mehr Funktionen für sich in Anspruch, schließlich alle für ihn erstrebenswerten: "Ich allein bestimme (über) alles!" In diesem Falle ist es einer, der schon "oben" ist, im inneren Zentrum der Macht, dem das aber nicht genügt, sondern der in einem "Staatsstreich" alle Macht an sich zu reißen versucht, bis zur absoluten (im Frankreich früherer Jahrhunderte: absolutistischen) Herrschaft.
Eine dritte Art betrifft die Machtergreifung von außen, z.B. durch einen Eroberer, der meistens mit der autochthon gewachsenen Demokratie oder dem komplexen Herrschaftssystem des eroberten Landes nicht viel anfangen kann und lieber sich selbst an die Spitze und seine eigenen Leute auf wichtige Machtpositionen zu setzen versucht. Solche Eroberer waren im Altertum typischerweise, wenn auch nicht ausschließlich, Angehörige nomadisierender und oft zugleich räuberischer Hirtenvölker wie der in Osteuropa lebenden Indoeuropäer (die als "Arier" in Persien und Indien einfielen) und wie die zwischen Euphrat und Nil umherziehenden Israeliten. Als weitere Variante könnte es gelten, wenn ein im österreichischen Braunau am Inn geborener Postkartenmaler aus Wien es schafft, am Ende seiner mehr durch Propaganda als durch militärische Mittel bewerkstelligten Machtergreifung schließlich Führer und Reichskanzler der Deutschen mit Sitz in Berlin zu werden!
Eine weitere, vielleicht entscheidende Bedingung für das Aufkommen des Monotheismus sehe ich im Aufkommen einer Königsherrschaft, speziell im Machtzuwachs eines Reichseinigers und Oberkönigs bis zur absoluten Diktatur. Vor allem in den ausgedehnten Stromtälern und Tiefebenen von Mesopotamien (zwischen Euphrat und Tigris, von den Bergländern der heutigen NO-Türkei bis zum Persischen Golf) und auch in Ägypten, dort im fruchtbaren Tal des Nils, der von Uganda und vom äthiopischen Hochland bis zum östlichen Mittelmeer fließt, kam es zur Bildung von Imperien, die verschiedene (Stadt)-Königreiche in sich vereinigten. Genau genommen waren es Zwangsvereinigungen mit Tendenz zur Gesamt-Herrschaft, euphemistisch dann als "Reichseinigung" bezeichnet. Sie gelang nur, wenn konkurrierende andere (!) Könige entmachtet werden konnten, entweder durch den stärksten unter ihnen oder durch einen mächtigen Eroberer von außen. Es lag in solchen Fällen nahe, die Vielzahl der alten Götter durch wenige neue Götter zu ersetzen, denen sich der Usurpator besonders verbunden fühlte, z.B. weil sie ihm "zum Sieg verholfen hatten". Der all-einzige Monotheos dagegen blieb den Menschen noch lange Zeit fremd, und es mussten noch weitere Bedingungen dazukommen und zusammenwirken, die in ihrem Miteinander oder in ihrer Abfolge den Monotheismus entstehen ließen und zu seiner schließlich weltweiten Ausbreitung beitrugen. So ist der Monotheismus eine relativ späte, zunächst örtlich begrenzte geistige "Erfindung" gewesen, und es könnte sich lohnen, im Einzelnen nachzuvollziehen, wie es im Alten Ägypten und später in Israel zur Konzeption eines Monotheos kam.