Politische Alleinherrschaft ist heutzutage in der Regel mit der Machtergreifung einer Einheitspartei und mit einem Zwangsregime verbunden, mit dem das eigene Volk geknebelt wird. Es kann dann leichter für Zwecke des Herrschers eingesetzt und schließlich verbraucht werden in sinnlosen Kriegen um noch mehr Macht oder um Weltherrschaft, zumindest um die Vormachtstellung (griech. Hegemonie = das Anführen) des eigenen Staates, des eigenen Glaubens, der eigenen Sprache oder der eigenen Rasse gegenüber allen anderen. Früher nannte man das »Auserwähltheit«. Einheitsparteien sichern ihre Macht durch Aufhebung der Meinungsfreiheit bis zum Glaubens- und Gesinnungszwang.
Wirtschaftliche Monopole heben Qualitäts- und Preisvergleiche und damit den Wettbewerb auf, sie ermöglichen Preisdiktate nach oben, erleichtern ein Lohndumping nach unten: Wenn keiner da ist, der bereit und in der Lage ist, höhere Löhne zu zahlen, kann der monopolistische Arbeitgeber die Lohnkosten niedrig halten, um den eigenen Profit zu maximieren. Er kann die Verfügbarkeit von Arbeitsstellen für Arbeitnehmer zu seinem eigenen Nutzen kontrollieren und einschränken.
Ein anderes, ebenso praktisches Beispiel: Land- und forstwirtschaftliche Monokulturen erleichtern die Massenausbreitung von Schädlingen, die wiederum mit dem massiven Einsatz von Pestiziden und ihrer auch für andere Tiere und auch für Menschen giftigen Chemie bekämpft werden müssen. Sie tragen zur örtlichen Verringerung der Artenvielfalt bei und sogar zum massenhaften Aussterben von Arten durch Vernichtung ihrer letzten natürlichen Biotope, alles nach der Devise: »Macht euch die Erde untertan!«
Während so die land- und forstwirtschaftlich genutzten Bereiche an biologischer Diversität verlieren und zusätzlich die Landflucht begünstigt wird, ufern in vielen Ländern einige Großstädte zur Megapolis aus. Zunehmend häufiger werden sie zur Monomegalopolis: in der einen und einzigen Zig-Millionen-Hauptstadt, an ihrer Peripherie mit Slums überwuchert, vom Smog vergiftet, von Autos verstopft, in ihrer Infrastruktur kollabierend, da lebt dann ein Großteil der Bevölkerung eines Landes, während die umliegenden ländlichen Gebiete immer mehr verarmen und entvölkert werden. Ich nenne nur Lima in Peru, Caracas in Venezuela, Mexiko-Stadt in Mexiko, Havanna auf Cuba, aber auch Lagos in Nigeria, Kairo in Ägypten, Athen in Griechenland, Teheran im Iran, Bangkok in Thailand, Manila auf den Philippinen. Durch die Globalisierung und ihre großen Vereinheitlichungen wird die hauptstädtische Monomegalie noch verstärkt: Eine Hauptstadt braucht einen größeren Zentralbahnhof mit sieben Ebenen, einen internationalen Flughafen, Autobahnanbindungen in alle Richtungen; sie versucht, ihre Einwohner mit neuen Arbeitsplätzen und staatlich subventionierten Mindest-Sozialleistungen zufrieden zu stellen, all das mit dem Effekt, dass die Monomegalopolis noch größer wird. Auch die Umweltschäden durch Industrialisierung werden globalisiert: Sie betreffen nicht mehr nur die Urheber und die Nachbarländer, sondern die ganze Erde. Inzwischen bedrohen sie die Existenz der Menschen und der Natur auf einer immer kleiner werdenden Erde, die das Ausmaß der Übervölkerung kaum noch verkraften kann: die Menschheit selber ist monomegal geworden, und neben ihr können viele Pflanzen und Tiere nicht mehr bestehen. Diese aktuellen Bedrohungen verschärfen sich immer noch weiter.
Im Grunde harmlos, und manchmal geradezu lächerlich, aber immerhin auch charakteristisch ist die Megalomanie in der Kunst. Sie wird noch bewundert in den Prachtbauten der Herrscher und den großen, größeren und schließlich maximalen Domen der Großreligionen, sie ist seit alters her tradiert im Gesamtkunstwerk der Heiligen Messe, insbesondere des Hochamts oder Pontifikalamts. Auch die großen Opernzyklen und Weihefestspiele von Richard Wagner haben noch diesen Anspruch, in ihrer Verbindung von episch breiten Götter- und Heldenmythen mit symphonisch anspruchsvoller Musik, in stundenlangen Aufführungen dargeboten von einem großen und bei Gustav Mahler noch größeren Orchester und riesigen Chören, vor ausgewähltem oder erlesenem Publikum in einem eigens dazu erbauten Festspielhaus zelebriert. Politische Systeme wie der Nationalsozialismus haben die »künstlerische« Monomegalie noch auf die Spitze getrieben. Aufmarschgelände von Reichsparteitagen, politische Kultbauten, Festhallen und Mausoleen rings um riesige Plätze, von denen ausgehend breite Prachtstraßen, all dies konnte gar nicht groß genug sein, sollte selbst in den Dimensionen von Repräsentationsräumen einer Regierung die Gäste beeindrucken und sogar einschüchtern. Neben der Übergröße ist ein weiterer Mangel in dem Versuch zu sehen, die Kunst in eine vorgegebene Einheitlichkeit zu zwingen, so die von den Nazis geförderte Blut-und-Boden-Kunst mit den supernaturalistischen Kolossalgemälden eines Meisters des deutschen Schamhaars, oder der sozialistische Realismus der sowjetischen »Arbeiter- und Bauernkunst« zu Stalins Zeiten. Neben solcher verordneter Kunst durfte es keine andere geben, da die parteilich korrekte Kunst anscheinend schon alles künstlerisch und ideologisch Wertvolle in sich einschloss. Was anders war, erschien als entartet oder als kapitalistisch-zionistisch-konterrevolutionär.
Es gab und es gibt auch noch heute wissenschaftliche Monomegalien, wie beispielsweise der am Ende des 19. Jahrhunderts von Ernst Häckel propagierte »Monismus«, der alles in der Welt auf die Bewegungen der Elementarteilchen zurückführen wollte, also im Sinne einer Letztbegründung alles auf ein Wesentliches zu reduzieren versuchte. Monismen welcher Art auch immer können aber der Vielfalt des Seins nicht gerecht werden. Monistisch ist auch jede parteiliche Wissenschaft, die es als ihre Aufgabe ansieht, vorgegebene religiöse oder weltanschauliche Positionen zu untermauern, zu bestätigen, oder auch nur zu illustrieren. Als Beispiele nenne ich den deutschen Physiker Johannes Stark, immerhin ein Nobelpreisträger, der neben Paul Lenard ein Hauptvertreter der nationalsozialistisch inspirierten »deutschen« oder gar »arischen« Physik war und als solcher die Quanten- und die Einsteinsche Relativitätstheorie als »jüdische Wissenschaften« bekämpfte; ein weiteres Beispiel ist die Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften, im Sinne der Sowjetideologie propagiert von Lyssenko. Ich könnte auch zurückgreifen auf den Jahrhunderte langen Kampf der katholischen Kirche gegen das heliozentrische kopernikanische System und auf die in den USA bis heute aktive Abwehr der protestantischen Fundamentalisten gegen die längst weltweit bestätigte und akzeptierte Darwinsche Evolutionstheorie und ihre Weiterführungen. Parteilich war auch die »Kritische Psychologie« der Marxistischen Arbeitsgruppen in den 68er und frühen 70er Jahren, die schlicht antikapitalistisch oder besser antiamerikanisch, dabei auch recht unkritisch waren!
Schließlich ist monomegales Denken schädlich für die Philosophie. Man kann an Texten von Nietzsche, Heidegger, Karl Jaspers und vor allem an den »postmodernen« Philosophen Frankreichs deutlich machen, wie in ihrem Philosophieren ursprünglich religiöse monomegale Denkansätze, die mit Gottes Übergröße und All-Einzigkeit zu tun hatten, in säkularisierter Form erhalten blieben, und sich in ihrem vage unklaren Stil deutlich von anderen gut verständlichen Äußerungen derselben Autoren abhoben. Sie sind oft auch erkennbar am freizügigen Gebrauch einer falsch verstandenen Mathematik unendlicher Mengen, an der metaphorischen Verwendung von mathematisch streng definierten Begriffen wie »irrationale« oder »imaginäre Zahlen« oder an der unzulässigen Verallgemeinerung von physikalischen Begriffen wie der sogenannten Heisenbergschen »Unbestimmtheitsrelation« . Diese konstatiert eigentlich nur, dass der Ort und der Impuls eines Elementarteilchens nicht zur gleichen Zeit (in der gleichzeitigen Messung) gleichermaßen genau bestimmt werden können, was besser mit dem abkürzenden Begriff »Unbestimmbarkeit« (nämlich des jeweils anderen Wertes) angedeutet werden könnte, aber keineswegs eine Unbestimmtheit der Elementarteilchen selbst unterstellt. Aber solche Relativierungen wissenschaftlicher Methoden und Ergebnisse dienen offenbar zur Verabsolutierung des »Unerforschlichen«, stehen also im Dienste einer Negativen Theologie. Am besten lesen Sie dazu das Buch von Alan Sokal und Jean Bricmont über »Eleganten Unsinn«. Es entlarvt das Unendlichkeits- und Unbestimmtheitsgeschwafel als weder mathematisch noch physikalisch haltbar; in meiner Sicht sind es misslungene Gottesrettungsversuche!
Nicht nur die philosophische Monomegalie steht in enger Beziehung zur religiösen Monomegalie. Auch andere Größenansprüche in Politik und Wirtschaft, sogar in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in Kunst und Wissenschaft sind von der religiösen oder von der säkularisiert-staatlichen Monomegalie ableitbar und können sogar versuchen, diese zu stützen. Da liegt es nahe, nach einem Remedium zu suchen, nach einer Therapie oder Kur, welche die Übel der Monomegalie an ihrer Hauptwurzel angeht. So frage ich: Wie wäre es, wenn Gott selber auf die Geltung des Ersten Verbotes verzichten und selber andere Götter anerkennen würde, und wenn Er und seine irdischen Stellvertreter und Gefolgsleute darauf verzichten könnten, Nichtglaubende und Andersgläubige als Ungläubige zu verdammen, und sogar zu verfolgen und mit schlimmsten Höllenstrafen zu bedrohen? Das ist nur ein Vorschlag, und ich weiß noch nicht, ob der Herr dort oben und diejenigen, die in seinem Sinne sprechen, darauf eingehen werden!