2.2.1. Die Monotheismen und ihr Anspruch auf All-Einzigkeit ihres je eigenen Gottes

Inhaltsverzeichnis

2.2.1.1. Der Gott, der keine anderen Götter neben sich dulden mochte
2.2.1.2. Ein „Roter Faden“
2.2.1.3. Anfänge
2.2.1.4. Die Monotheismen
2.2.1.5. Zur Auswahl der referierten Texte: positive und als negativ einzuschätzende Beiträge
2.2.1.6. Geistesgeschichtliche Zusammenhänge
2.2.1.7. Wie kam ich dazu, über den Monotheos nachzudenken?

2.2.1.1. Der Gott, der keine anderen Götter neben sich dulden mochte

In diesem Beitrag geht es um die Geschichte von dem Gott, der keine anderen Götter neben sich dulden mochte. Das hört sich an wie der Titel eines Märchens, ähnlich wie "Von einem der auszog das Fürchten zu lernen". Aber nehmen wir es ruhig mal als Märchen! Ich könnte also so anfangen: Es war einmal ein Gott, der konnte sich mit den anderen Göttern und Göttinnen nicht vertragen und mochte keinen davon neben sich dulden. Immer wollte er alles allein bestimmen, nie konnte er einen Rat oder eine Hilfe annehmen. Das ging schließlich so weit, dass er alle anderen Götter zu vertreiben und letztendlich zu vernichten suchte. Seine Gefolgsleute unter den Menschen behaupteten sogar, dass es keine anderen Götter gäbe, es gäbe nur den einen. Nun waren unter den anderen Göttern welche, besonders zwei, die auch jeder allein das Sagen haben wollten. Es kam, wie es kommen mußte: diese drei Götter ereiferten sich so, dass sie anfingen, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Das machte auf Erden großen Krach und Tumult, und viele Menschen mußten darunter leiden, vor allem wenn sie für den einen oder für den anderen der drei Streithähne Partei ergriffen hatten, wenn sie sogar todesmutig für ihn kämpften und mal mit ihm siegten, mal mit ihm die Schlacht oder den Krieg verloren. Der eine Gott hatte seine Leute schon mit Wunderwaffen ausgerüstet, und die ganze Erde drohte zu verbrennen und schließlich in die Luft zu fliegen. (Hier, an dieser Stelle, muß ich innehalten, denn ein richtiges Märchen sollte doch ein gutes Ende finden! Es geht daher so weiter:) Da merkten die drei Götter, also jeweils der, der gar keine Götter neben sich dulden mochte, dass solcher Mutwille zu einem bösen Ende führen müßte. Und da vertrugen sie sich wieder und versprachen einander, dass keiner von ihnen mehr versuchen würde, alles allein bestimmen zu wollen. Deshalb wurden sie auch wieder in den Kreis der anderen Götter aufgenommen. Und wenn sie nicht inzwischen schon gestorben sind, was auch bei Göttern und Göttinnen vorkommen kann, dann leben sie heute noch, und auch morgen und übermorgen! Das ist natürlich ein Märchen, und Märchen müssen nicht ernst oder gar für wahr genommen werden. Die Sache, um die es mir geht, möchte ich aber ernst nehmen und weiter verfolgen, und dazu will ich als erstes versuchen, das Märchen vom Eingott in den Gesamtzusammenhang zu stellen, in dem es seinen Platz hat neben anderen Märchen und anderen wichtigen Sachen, mit denen es auf komplizierte Weise verbunden und mit vielen Fäden und Knoten verwickelt ist.